20 Jahre Einsatz in Schaffhausen
Am 20. August organisiert der Verein Schaffhauser Menschenrechtstage im Mosergarten in Schaffhausen ein grosses Fest. forumKirche hat mit der Präsidentin Verena Marty über den Zweck des Vereins gesprochen.
Den Verein Schaffhauser Menschenrechtstage gibt es seit 20 Jahren. Was war der Gedanke für die Gründung ?
Andi Kunz und Faton Topalli ging es damals darum, das Thema Menschenrechte in Schaffhausen publik zu machen und den Leuten auf eine gute Art vor Augen zu führen. Das Thema betrifft unsere Gesellschaft, selbst die eigene Person. Damals gaben die beiden Gas : Es wurden Filme gezeigt, Podien veranstaltet mit Leuten, die etwas zu sagen hatten. Selbst eine Bundesrätin wurde eingeladen. Es gab jeweils mehrere Tage, die einem bestimmten Thema auf verschiedene Arten gewidmet waren. Um zur Stadt und zu den Kirchen gehen und um Unterstützung bitten zu können, gründeten die beiden einen Verein. Die Stadt und die Kirchen haben sofort mitgemacht. Seither erhält der Verein jährlich Geld zugesprochen von der Stadt und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Gemeinden im Kanton Schaffhausen. Damit kann er seine Aktivitäten durchführen.
Was tut der Verein neben den Veranstaltungen rund um den internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember sonst noch ?
Er feiert am 8. März mit Migrantinnen den Frauentag oder am 20. Juni den internationalen Tag des Flüchtlings.
Als die Stahlgiesserei neu bewohnt wurde, gab es eine Aktion mit einer jungen Künstlerin. Es war ihre Diplomarbeit : Sie hängte mit Interessierten Wurzeln auf und veranstaltete mit ihnen eine Art Postenlauf mit Fragen. Beispielsweise : Wo sind meine Wurzeln ? Wo will ich beerdigt werden ? Das stiess auf grosses Interesse. Letztes Jahr gab es einen Stadtrundgang, auf dem junge Eritreer auf die Stolpersteine hinwiesen, denen sie als Flüchtlinge mit dem F-VAA-Ausweis ausgesetzt sind. Das hat sogar dazu geführt, dass einer dieser Stolpersteine für einen Eritreer schnell aus dem Weg geräumt wurde.
Wir begleiten Migranten, um den Finger auf wunde Punkte zu legen und Lösungen dafür zu suchen. Manchmal werden diese wunden Punkte nicht einmal erkannt, aber wenn sie die Behörden ebenfalls sehen, dann kommt Bewegung in die Sache.
Hat sich in den 20 Jahren etwas verändert bezüglich Vereinszweck ?
Das Thema bleibt dasselbe : Es geht ums Recht des Einzelnen. Früher waren es türkische Kurden, Irakerinnen und Iraker, heute sind es Ukrainerinnen und Ukrainer.
Der Verein beschäftigt sich mit dem, was uns fremd ist. Das kommt als bedrohlich rüber. Wir möchten klar machen, dass es nicht bedrohlich ist, sondern etwas, das wir nachvollziehen können. Durch den Ukraine-Krieg ist bei uns angekommen : Krieg kann sich ereignen und so aussehen, dass die Leute alles stehen und liegen lassen müssen, weil ihr Dach über dem Kopf kaputt gemacht wird.
Eindrücklich finde ich, dass die Bibel schon Themen der Macht und des Reichtums aufgenommen hat. Sie warnt davor und sagt, das könne ins Verderben führen. Macht brauchen und missbrauchen, vor lauter Reichtum nicht mehr nach der Sache fragen. Das sind grundlegende Dinge, wie man das Zusammenleben organisiert.
Menschenrechte sind grundsätzlich christlich. Jeder Mensch hat seine Würde, er darf werden, wer er ist. Deswegen setzt sich die Kirche dafür ein. Das Thema ist aber gesellschaftsrelevant. Wir als Verein in der Gesellschaft bringen das Thema Menschenrechte gesellschaftskonform ein.
Was hat Sie dazu motiviert, sich dafür zu engagieren ?
Ich bin vor etwa zehn Jahren dazugestossen durch die OeME‑Kommission. Das ist die Kommission und Fachstelle für Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit. Ich erfuhr vom Verein Schaffhauser Menschenrechtstage und ging an deren Anlässe. Das ist mein Thema, habe ich gemerkt. Nach zwei Jahren wurde ich gefragt, ob ich im Vorstand mitmachen würde. Nun bin ich seit ein paar Jahren Präsidentin.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft ?
Ich wünsche mir, dass das Thema Menschenrechte aktiv bearbeitet wird. Dass es immer miteinander ein Thema sein soll. Es darf keine Abgrenzung geben, denn das könnte zu einem Gegeneinander führen.
Interview: Béatrice Eigenmann, forumKirche, 10.08.2026