Begegnung auf Augenhöhe
Das Kantonale Gefängnis Schaffhausen ist in erster Linie ein Untersuchungsgefängnis. Da die Kommunikationswege in der Haft stark eingeschränkt sind, ist das Mitteilungsbedürfnis der Insassen in der Regel sehr gross. Die Aufenthaltsdauer variiert stark, beläuft sich aber im Durchschnitt auf sechs bis acht Monate. In dieser Zeit des Alleinseins und der Existenz unter Haftbedingungen bietet die Seelsorge einen Raum für Gespräche und Begegnungen auf Augenhöhe.
Meiner Rolle als Seelsorger begegne ich mit einer zutiefst respektvollen Grundhaltung. In den Gesprächen bin ich weder Anwalt noch Richter, sondern in erster Linie Zuhörer. Ich nehme die Erzählungen der Inhaftierten zunächst genauso an, wie sie mit mir geteilt werden – völlig ungeachtet der juristischen Wahrheit. Über die eigentlichen Delikte informiere ich mich vorab nur in Ausnahmefällen; die Entscheidung, darüber zu sprechen, liegt allein beim Gegenüber.
Die Besuche finden in der Regel am Dienstagnachmittag statt, wobei ich mir für jede Person zwischen 20 und 40 Minuten Zeit nehme. Oft suche ich gezielt Neuzugänge auf, der Kontakt entsteht aber auch durch die Vermittlung des Personals oder durch schriftliche Anfragen der Insassen selbst.
Die Gefängnisseelsorge wird getragen durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit meinem reformierten Kollegen Pfr. Matthias Koch. Neben den Einzelgesprächen ist es uns ein Anliegen, auch Momente der Gemeinschaft in den Haftalltag zu bringen. Deshalb organisieren wir gemeinsame Weihnachts- und Osterfeiern sowie monatliche Singabende. Diese Zusatzangebote sind bei den Insassen sehr gefragt und werden durch das Mitwirken der Mitglieder verschiedener Freikirchen in Schaffhausen auf schöne Weise bereichert.
Kontakt
Sebastian von Paledzki
Spital- und Gefängnisseelsorger
052 634 89 38
sebastian.vonpaledzki@spitaeler-sh.ch