Kennen Sie die Situation, dass Sie der Meinung sind, einen gut geplanten Tag vor sich zu haben und dieses Gefühl Ihnen Sicherheit vermittelt – und dann…
Der Tag war eigentlich gut durchdacht. Die alltäglichen Aufgaben: ein Gespräch, ein Telefonat, etwas erledigen, was schon länger auf der Liste stand. Alles machbar. Bis es anders kam.
Der Strassenverkehr staute sich. Das Telefonat dauerte länger. In der Stadt traf ich jemanden, den ich lange nicht gesehen hatte. Nichts Weltbewegendes – und doch reichte es, um den Plan durcheinanderzubringen. Am Ende des Tages war nicht alles erledigt, was vorgesehen war. Dafür anderes passiert.
Wir planen gern. Schreiben Termine auf, machen uns Notizen, setzen uns Ziele. Das gibt Struktur und ein Gefühl von Kontrolle. Und trotzdem schleichen sich jeden Tag kleine Abweichungen ein. Ein Umweg, ein zusätzlicher Kaffee, ein Gespräch, das man eigentlich nicht eingeplant hatte. Diese unerwarteten Momente können kräftezehrend sein, weil sie unseren Rhythmus durcheinanderbringen und dadurch unsere To-do-Listen eher wachsen, als abnehmen. Auf der anderen Seite bieten sie Chancen zur Flexibilität und Kreativität. Oft führt eine Panne oder ein überraschendes Treffen zu einer neuen Möglichkeit, einer Erkenntnis oder einem Gedanken, den man sonst nicht gefasst hätte und es bleibt etwas Tolles hängen: ein Lächeln, ein Moment der Ruhe mitten im Trubel.
Es muss nicht jeder Tag perfekt aufgehen. Vielleicht darf auch einmal etwas liegen bleiben, damit etwas anderes Platz hat. Das Ungeplante fragt nicht, ob es passt. Es ist einfach da und hin und wieder tut es gut, ihm nicht auszuweichen.
Wenn ich abends zurückblicke, erinnere ich mich selten an das, was ich abgehakt habe. Aber oft an das, was ungeplant war.
John Lennon brachte es treffend auf den Punkt: «Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.»
Susanne Stamm, Sozialberatung