Die Geschichte hinter der Geschichte
Manchmal geht mir durch den Kopf, wie wenig wir eigentlich voneinander wissen. Und wie oft deshalb unser Verständnis füreinander eingeschränkt ist.
Gerade vor Kurzem hat mir beim Käfele jemand von seiner Geschichte in Kriegszeiten erzählt, was das ausgelöst hat und wie die Nachwirkungen bis heute zu spüren sind. Es war spannend, so etwas Persönliches zu hören und es hat mir einen neuen Zugang zu dieser Person geschenkt.
Das hat mich in einen neugierigen Modus versetzt und prompt hat mir bei der nächsten Begegnung eine Person aus ihrem Leben erzählt, wie viele Schwierigkeiten es zu überwinden und auszuhalten galt und es entspann sich ein Gespräch, das sehr inspirierend war und ein neues Kennenlernen ermöglicht hat.
Es geschieht manchmal, dass ich leicht beschämt bin, wenn sich die Tiefen einer Person eröffnen und ich irgendwie gar nicht damit gerechnet habe. Und ich nehme mir immer wieder neu vor, den Menschen mit Neugier und mit Achtung vor dem Geheimnis ihres Lebens zu begegnen.
Das ist gar nicht so einfach. Vielmals beschäftigt mich dieses und jenes und es braucht Konzentration, damit eine Begegnung nicht nur flüchtig verläuft. Aufmerksamkeit ist gefragt, um die feinen Hinweise herauszuhören, dass jemand etwas erzählen will. Und ohne Zuneigung und Interesse bleibt die Geschichte, bleibt der Einblick in das Lebensgeheimnis des anderen sowieso verborgen.
Zeit also für ein «Update». Zeit, Aufmerksamkeit und Empathie neu einzuüben. Zeit wieder neugierig zu werden auf die Geschichten anderer. Und Zeit, etwas grosszügiger zu werden mit den «Mödeli» der Menschen um mich herum – sie haben meist einen Grund und es kann spannend sein, diesen zu erfahren.
Zeit, sich mit Jesus an der Seite auf den Weg zu machen. Von ihm zu lernen, der allen zugeneigt war und zugehört hat. Und so manche Geschichte hinter der Geschichte hervorgelockt hat, die endlich einmal erzählt werden durfte. Das ist heilsam. Für den, der sie erzählt und für den, der sie hört.
Geben wir einander in dieser Fastenzeit wieder neu Einblick in unser Leben und unsere Geschichte. Und bleiben wir neugierig. Wir werden sehen, dabei wächst Gemeinschaft. Viel Freude dabei!
Bernadette Peterer, Pfarreiseelsorgerin